Die Braunschweiger Zeitung wirft in einer Sonderbeilage vom 22. März 1017 einen Blick auf Freizeitangebote und Berufsleben in Stadt und Kreis Wolfenbüttel. Mittendrin: Der OkerPirat…

Die Oker – Ruhepol und Lebensader der Stadt

Den Fluss in seiner ganzen Schönheit erleben und genießen, ist ganz einfach — zu Fuß, mit dem Rad oder vom Wasser aus.

Von Gesa Lormis
Einfach abends die Seele baumeln lassen … Wer dafür in Wolfenbüttel nicht nur ans, sondern aufs Wasser geht, wird mit Ruhe und Naturbeobachtungen belohnt. Mit Flößen, Kanus oder auf Boards geht es vorbei an wechselvoller Vegetation durch die Okerauen Richtung Süden nach Halchter oder durch die Stadt zum Kulturbahnhof. Wer Glück hat, wird von Entenfamilien begleitet oder sieht den seltenen Eisvogel.
Innerhalb Wolfenbüttels fließt die Oker in zwei Armen um den historischen Stadtkern. Im Bereich der Innenstadt wird der Große Kanal von Häusern gesäumt und erinnert an Amsterdam oder Venedig. Im 16. Jahrhundert war die gesamte Kernstadt von Grachten durchzogen. Heute sind sie weitestgehend zugeschüttet und nicht mehr sichtbar, doch 19 Stationen mit Informationstafeln zu den „Wolfenbütteler Wasserwegen“ erzählen von dieser Zeit. Für alle Geschichtsinteressierten hält die Tourist-Information am Stadtgraben zudem kostenfreie Broschüren bereit, in denen die Texte der Tafeln in Ruhe nachgelesen werden können. Oder man gönnt sich gleich eine Stadtführung: Die Stadt bietet verschiedene Themenführungen und Schwerpunkte an, bei denen maximal 25 Personen Wolfenbüttel erleben.

Kanuverleih entlang der Oker

Mehrere Anbieter haben sich die Oker südlich von Braunschweig als Wirkungsstätte ausgesucht und ihre Angebote aufeinander abgestimmt. Olaf Schäfer und sein Team von „Canadier-Touren“ haben ihr Angebot auf ambitionierte Freizeit-Sportler ausgerichtet, die kleine oder größere Wasserwanderungen unternehmen wollen. Sie sind auf mehreren Flüssen rund um Wolfenbüttel unterwegs und transportieren ihre Kanus dorthin, wo eine Wasserwanderung starten soll. Je nach Vorerfahrung und Buchung begleiten sie die Touren als Guide, sorgen für eine angemessene Verpflegung an Board oder beschränken sich auf die Sicherheitseinweisungen.
Mit ihren Windungen und von Weiden bewachsenen Ufern lädt die Oker zum entspannenden Tag auf dem Wasser ein. Bei einer durchschnittlichen Fließgeschwindigkeit von zwei bis drei Kilometern in der Stunde kommt keine Hektik auf.
Michael Stier bietet mit dem „Okerpiraten“ am Juliuswehr, mitten in Wolfenbüttel, Programm und Sportgeräte für das kurzweilige Freizeitvergnügen. Regelmäßig denkt er sich neue Programmpunkte aus und unterhält Kindergeburtstage genauso wie Junggesellenabschiede und erlebnisreiche Firmenausflüge.
Seit 2016 bietet er SUP, Stand-up-Paddeling, an: „Das Paddeling ist häufig aus den Großstädten bekannt und wird dort von jungen Sportlern betrieben. In Wolfenbüttel hat jeder die Gelegenheit, es zu probieren, ohne sich der Hektik großer Verleihbetriebe auszusetzen“, erklärt er. Wer bei ihm aufs Board gekommen ist, kann bei Brettsport in der Jägerstraße sein eigenes Board erwerben.
Neben den beiden gibt es noch den Kanuverleih des Stadtbads Okeraue, die Ski- und Kanu-Sportgruppe des Gymnasiums im Schloss mit Vereinsgelände direkt an der Oker und zahlreiche private Bootsbesitzer mit eigenen Anlegeplätzen.
Auch auf dem Wasser, aber ohne eigenen sportlichen Einsatz, findet das jährliche Entenrenten zum Maifest statt: Am 6. Mai wird ab 10 Uhr wieder ermittelt, welche gelbe Ente am schnellsten die rund 250 Meter lange Strecke zurücklegt. Start ist die Brücke zwischen Teichgarten und Stadtgraben, das Ziel die Floßstation am Juliuswehr. Letzteres kann zur Feier des Tages geöffnet werden –  so bekommt die sonst recht ruhig fließende Oker etwas mehr Tempo.

Zu Fuß und mit dem Rad

Wer sich nicht aufs Wasser traut oder festen Boden unter den Füßen bevorzugt, findet entlang der Oker einige Wander- und Radwege. Eine Etappe des Weser-Harz-Heide-Radweges führt, immer entlang dem Flusslauf, von Wolfenbüttel nach Braunschweig und noch weiter bis nach Gifhorn zum Tankumsee. Gestartet werden kann zum Beispiel am Bahnhof Wolfenbüttel. Von dort führt die Strecke entlang dem Schlossplatz und der Herzog-August-Bibliothek durch das Stadtgebiet. Anschließend geht es zwischen Gemüsefeldern nach Stöckheim und zum Braunschweiger Südsee. Entlang dem Kiessee lassen sich Wasservögel gut beobachten.
Innerhalb Wolfenbüttels laden Parks, etwa der Seeliger Park, zum Spazieren unter alten Bäumen am Okerufer oder zu einer Partie Discgolf ein. Hierbei gilt es, einen der insgesamt neun Körbe mit einer Frisbeescheibe zu treffen. Und das mit möglichst wenig Würfen. Ein zweiter Parkour lässt sich im Gutspark in Linden finden.
Der Seeliger Park wurde im 19. Jahrhundert von seinen Gründern mit Bäumen aus aller Welt bepflanzt. Das ehemalige Herrenhaus, das bis heute auf der Bastion Lindenberg steht, beherbergt heute die Landesmusikakademie Niedersachsen. Wer Glück hat, kann bei einem Spaziergang die Musiker beim Proben hören.
Für den gemütlichen Tagesausklang bieten die Beachbar „Strandwolf“ direkt am Stadtgraben sowie das Alte Kaffeehaus am Harztorwall ein gemütliches Ambiente.  rp

Stehpaddeln im Trend

In Wolfenbüttel gibt es Meisterschaften in der neuen Sportart.

Von Gesa Lormis
Am 21. Mai ist es wieder so weit: Die Wolfenbütteler SUP Meisterschaft geht in die zweite Auflage. SUP steht für Stand-Up-Paddeling, also für Paddeln im Stehen. Teilnehmen kann an der Meisterschaft jeder, auch Anfänger. Vorab gibt es am 20. Mai die Möglichkeit zu trainieren.
Der Sportartikelanbieter Brettsport und der Bootsverleih Okerpirat stellen die Boards zur Verfügung, die an Surfbretter erinnern. Doch statt sich in haushohe Wellen zu stürzen oder den Wind als Antrieb zu nutzen, geht die Bewegung beim SUP durch den Surfer selbst aus. Mit langen Stechpaddeln manövrieren sie ihr Board durch die Gewässer.
Der neue Trendsport entstand ursprünglich durch polynesische Fischer und ist erst in den vergangenen Jahren in Europa angekommen. Durch die Balance auf dem Brett und die Paddelbewegung werden Arme, Beine, Rücken und Bauch trainiert. Dadurch ist der junge Sport als Ganzkörpertraining bekannt geworden.
Das sanfte Gewässer der Oker ist dabei ein ideales Trainingsgewässer. Die abwechslungsreiche Landschaft entlang der Oker lädt zu kurzen bis längeren Touren in der Natur ein . rp

Hafenfest für Landratten

Am 1. Mai wird die Oker-Saison eröffnet.

Von Gesa Lormis
Jedes Jahr am 1. Mai lädt der Okerpirat zu seinem Hafenfest für kleine Piraten zwischen vier und acht Jahren. Veranstalter ist Michael Stier, der eine Piratenprüfung mit verschiedenen Disziplinen organisiert, die es zu bewältigen gilt. Anschließend geht es für alle mit dem Floß Huckleberry auf die Oker.
Während die Kleinen das Piratenleben genießen, testen die großen Begleiter ihre Geschicklichkeit auf Fun-Boards und beim Standup-Paddeling. „Das Hafenfest ist immer eine schöne Eröffnung der Saison. Pünktlich zum 1. Mai wird auch das erste Bier dieses Jahr fertig sein – natürlich nur für die erwachsenen Begleiter“, erzählt Michael Stier.
Er kann in diesem Jahr mit seinem Hafenfest auf sein zehnjähriges Bestehen zurückblicken: „Wir planen kein extra Jubiläumsprogramm – denn wir geben uns jedes Jahr Mühe und denken uns besondere Aktionen aus. Das gilt auch für die Piratengeburtstage und die Floßtouren, keine Tour ist wie die andere, es gibt immer etwas Neues zu erleben.“ rp

Wasser, Hopfen, Malz und ein bisschen mehr

Bierbrauen liegt im Trend, auch in Wolfenbüttel: Gleich drei Unternehmen widmen sich der Produktion von Gerstensaft.

Von Gesa Lormis
Gleich drei junge Unternehmen haben sich in Wolfenbüttel der alten Kunst des Bierbrauens zugewandt – jedes mit einer anderen Motivation.
Marcel Hotopp, Patrice Theuring und Christian Thönebe sind das Trio hinter der „Mad Dukes Brewery“. Sie schöpfen die Möglichkeiten der neuen Freizügigkeit in Sachen Bier und die Kreativität der Craft-Beer-Szene voll aus.
2004 wurden die strengen deutschen Regeln zum Bier durch EU-Vorgaben ersetzt, der Markt öffnete sich für kleinere Brauereien und Hobbybrauer. Anfänglich taten sich konservative deutsche Biertrinker noch schwer mit der neuen Vielfalt an Zutaten, doch langsam ändert sich das.
Neben Hopfen und Malz gelangen bei den Mad Dukes daher Zutaten wie Kaffee und Kürbis in den Sud, der bisher mit selbst gebautem Equipment in Privaträumen entsteht. Klassische Sorten wie Pils und Weizen gehören ebenfalls zum Sortiment. Um professioneller arbeiten zu können, haben die Mad Dukes im Internet über die Crowdfunding-Plattform Startnext finanzielle Unterstützung gesammelt. Aus dem so gewonnenen Startkapital entsteht eine Klein-Brauerei.
Tradition statt Experimente
Michael Stier hält seit zwei Jahren Bier vom Fass aus eigener Produktion für die Gäste bereit. Sein Herzog-Julius-Bräu gibt es nur in der kleinen Gartenwirtschaft des „Okerpiraten“ am Juliuswehr und auf seinen Okerflößen.
Die Idee dazu hatte er schon vor der Jahrtausendwende. „Aber zu dem Zeitpunkt sah die Handwerks-Ordnung noch einen Braumeistertitel vor, um Bier brauen zu dürfen“, erklärt er eine der Reglungen, die 2004 gekippt wurden. Vor drei Jahren lernte Stier einen Braumeister kennen, der ihm das Kochen des Biersuds beibrachte und seitdem mit Zutaten versorgt. Für ihn stehen dabei das Handwerkliche, die Freude an der Zubereitung des Suds und der Geschmack seines Pils im Vordergrund: „Experimente gibt es bei mir nur im Rahmen des Reinheitsgebots.“
Bier und Steinzeitdiät
Einen Mittelweg gehen Andreas Stebner und Andre Volke. Vor einigen Jahren eröffnete Stebner einen Laden für Paleo-Soßen in der Innenstadt, der sich nach eigenen Angaben stets weiterentwickelt und das Sortiment erweitert.
Dann kochte er Mitte 2016 nach einem alten Familienrezept, das er nach eigener Aussage auf dem Dachboden fand, den ersten Biersud. Kurz nach der ersten Verkostung traf Stebner den Fümmelser Andre Volke, der sofort begeistert von dem Bier war und als Partner einstieg. Spontan begannen die beiden zum Altstadtfest mit der Vermarktung des Bieres. Da die Idee gut ankam, folgte ein Glühbier auf dem Weihnachtsmarkt, über das sogar überregional im Fernsehen berichtet wurde. Seitdem suchten die beiden nach neuen Räumlichkeiten. „Alle anfallenden Kosten strecken wir als Geschäftspartner aus unserem Privatvermögen vor, bis sich der neue Laden selbst trägt“, erklärt Volke. Das neue Geschäft soll demnach nicht nur die Geschäftsräume mit Bier- und Soßen-Sortiment umfassen, sondern auch eine Bar und eine Brauküche samt Seminarraum. Es könnte also bald weitere Brauer geben, die das Biersortiment von Wolfenbüttel erweitern. rp