SUP Guide Tour

Mittwochs 18 bis 20 Uhr. Nach einer professionellen Einweisung geht es mit Ihnen auf die Oker gen Süden.

Preis: 25 € pro Person, nur mit Anmeldung

SUPs / Funboard

Für geübte Wassersportler haben wir auch SUPs / Funboards im Verleih. Bitte sprechen Sie uns an. Wir beraten Sie gern.

Preis SUP:
1 Std. 14 € + angef. Std. 6 €
Preis Funboard:
1 Std. 10 € + angef. Std. 5 €

Stand Up Paddling (SUP) auf der Oker bei Wolfenbüttel – ein Versuch

Neulich – es war noch Sommer – spazierte ich so über die Juliusbrücke, schaute auf die Oker und stutzte: Da stand doch jemand auf einem Surfbrett – mitten in Wolfenbüttel! Ich blieb eine Weile stehen und beobachtete die Frau auf dem Brett und je länger ich zuschaute, umso mehr verlockte mich die Vorstellung, hier, zu Hause und nicht auf See, zu surfen.

Ein paar Tage später, ich musste immer wieder an diese souveräne Frau auf dem Brett denken, radelte ich kurzentschlossen zum „Okerpirat“ an der Juliusbrücke. Michael Stier, der Betreiber des Bootsverleihs und Anbieter von traditionellen Okerfahrten, sortierte gerade Schwimmwesten. Ich wollte mich erstmal informieren, wie das so geht und ob diese Sportart leicht zu erlernen ist. „Ja, sicher ist das leicht! Probiers doch mal aus, ich hab grad ein Anfängerbrett frei“, antwortete er. Na, so schnell sollte es nun doch nicht sein. Zuerst will ich wissen, wo die Sportart herkommt, hier, wo doch kein Meer weit und breit zu finden ist. Hat sich da jemand ein Surfbrett umgebastelt und versucht, es zu vermarkten? Nein, erzählt der Okerpirat, erfunden haben diese Fortbewegungsart die Polynesier und Hawaiianer, die auf diese Weise gefischt haben. „Der Trend schwappte dann von USA nach Europa, dort in die Großstädte und ist dann sofort hier in Wolfenbüttel angekommen“, witzelt Michael.

042„Wie sieht denn so ein Anfängerbrett aus? Ist es sehr wackelig?“, taste ich mich langsam an den Gedanken heran, bald auch auf der Oker zu stehen. „Keine Angst, das Einsteigerbrett, der Allrounder, ist lang und breit, du kannst sogar Yoga drauf machen!“, Na, das macht Mut. Und die Paddel? „Ja, je nachdem, ob du dich verausgaben willst, dann kriegst du ein Paddel mit breitem Blatt, da musst du mehr Kraft aufwenden, aber kommst auch gut voran. Wenn du lieber kraftsparend und mit einer höheren Frequenz paddeln möchtest, dann ist das kleinere Blatt für dich geeignet. Na, willste mal?“, grinst Michael mich herausfordernd an.

So langsam juckte es mir schon in den Fingern, mit den Händen am Paddel elegant und fast schwebend an den Okerauen mit dem Board vorbeizugleiten … „Ok, ich machs!“Aber bevor es losging, gab mir der Chef noch eine Einweisung, ich bekam die Leash, also das Sicherungsseil, wie ich lernte, und natürlich eine schicke orangefarbene Schwimmweste. Also übersehen würde man mich in Halchter nicht, wenn ich vor Erschöpfung vom Board fallen würde.
„Die Leine hält dich und dein Board zusammen, sodass du, auch wenn du mal ungewollt absteigen solltest, immer eine Verbindung zum Board hast und nicht hinterherschwimmen musst“, erklärte mir der Paddling-Trainer. Das klingt logisch.
021Und los ging es. Ich ließ mich mit etwas zittrigen Beinen von Michael ins knietiefe Wasser führen und er bugsierte mich auf das Inflatable, ein aufblasbares Board. Noch schnell ein Blick zum Ufer, ob nicht gerade Bekannte hier herumstreiften und meinen Start beobachten würden. Ich sollte die Knie etwa schulterbreit rechts und links der Griffmulde in der Mitte des Boards positionieren. In dieser Position sollte ich nun, um ein wenig Gefühl für das SUP zu bekommen, einige Paddelschläge machen. Jaaah, das fühlte sich super an. Ich auf dem Wasser und schwerelos gleitend! Nun sollte ich langsam mit gebeugten Beinen in den Stand kommen. Da wars vorbei mit dem eleganten Gleiten … Als Tipp rief mir der versierte Stand Up Paddler noch zu: „Die Knie leicht beugen und Spannung aufnehmen – am ganzen Körper!“ Leichter gesagt als getan. Ich hätte doch mal mehr Beintraining machen sollen, schoss es mir durch den Kopf. „Da arbeitet die komplette Bein- und Rumpfmuskulatur, um dir einen sicheren Stand zu verschaffen“, erklärt er mir vom sicheren Ufer aus. Ach nee, sagt mir mein Gehirn panisch. Zum Glück denke ich noch daran, was er mir vor dem Aufsteigen mitgegeben hat: „Sollten Hindernisse auftauchen, die Strömung zunehmen, dann kannst dich jederzeit wieder auf das Board setzen oder sogar flach auf den Bauch legen.“
Für den Anfang reichen mir die 500 Meter, die ich mehr oder weniger erfolgreich hinter mich gebracht habe. Immerhin hatten die Enten und Eichhörnchen ihren Spaß an mir. Ich paddelte mit Vorwärtsschlag – das habe ich behalten – immer ein paar Schläge auf jeder Seite zurück ans trockene Ufer. Erschöpft, aber glücklich kletterte ich an Land – und ich ahnte schon jetzt, wo ich morgen überall Muskelkater haben würde.
IMG-20171115-WA0000Ich muss noch viel lernen: Bogenschlag und Stoppschlag, etwas über die Boardarten erfahren und Paddelvarianten ausprobieren. Das Stand-Up-Paddling-Fieber aber hat mich erwischt. Ich werde im nächsten Jahr wiederkommen und dann will ich eine Tour unternehmen, die SUP-Verweigerer mit dem schnöden Boot unternehmen.
Die lauschige Okertour hatte ich schon mal mit Freunden unternommen: Diese Strecke führt in die Wolfenbütteler Stadt, vorbei am Stadtbad, durch ruhige Auen, entlang an Pferdekoppeln, das Boot gleitet um herabgefallene Bäume herum, am Ufer wächst Rosa Springkraut und Wasservögel weichen dem Boot gemächlich aus. Ich stelle mir vor, wie schön es sein muss, auf dem Board liegend die Seerosen zu umpaddeln, die naturbelassenen Ufer an mir vorbeigleiten zu lassen … Dann kommt der 200 Meter lange Tunnel, in dem man in der Dämmerung schon mal Kontakt zu den Fledermäusen aufnehmen kann und sich in der Mitte wünscht, diesen Tunnel nie befahren zu haben. Auf dem Board stelle ich mir das ganz schön gruselig vor – das ist wohl erstmal nur was für geübte Stand Up Paddler. Wieder im Tageslicht angekommen, führt der Weg an der Post und dem Bahnhof vorbei, man passiert den Seeliger Park und kommt zum Jugendgästehaus. Hier angekommen sollte man die Ohren spitzen, denn man nähert sich dem Wehr. Hier ist ein Sicherheitsabstand von 25 Metern einzuhalten, klärt mich Michael Stier auf. Er fügt noch hinzu: „Auf dieser Strecke ist ‚sehen und gesehen werden‘ angesagt, es gibt genügend Spaziergänger, die staunend und bewundernd am Rand stehen.“
Bis dahin werde ich noch viel üben müssen, aber eines ist klar: In der nächsten Saison komme ich wieder und erobere mir die Oker auf dem Brett.

Bärbel Mäkeler/September 2017